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Hoch hinaus ging es für 20 ukrainische Waisenkinder

Wie man mit einer Boeing abheben und über den Wolken schweben kann hatten die 20 ukrainischen Waisenkinder bereits in einem Flugsimulator auf dem Böblinger Flugfeld erlebt. Dass man aber auch mit Händen und Füßen an einer senkrechten Wand in Schwindel erregende Höhen kommen kann, das konnten sie in der ROCCADION Kletterhalle unter Anleitung des Alpenvereins Böblingen unter Beweis stellen.

Durch eine Hilfsaktion des Landkreises im Zuge des Ukraine-Krieges konnten 73 aus der Ukraine geflüchtete Waisenkinder mit ihren 4 Betreuerinnen nach Böblingen geholt und in der Wildermuth Kaserne, einem Teil der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg, Ukrainische Kids 03
untergebracht werden. Dort werden sie pädagogisch begleitet und durch viele ehrenamtliche Helfer verschiedener Organisationen betreut.

Auch die Sektion Böblingen des Deutschen Alpenvereins (DAV) wollte mithelfen, den Kindern, die so viel Leid ertragen mussten, einen abwechslungsreichen Nachmittag mit sportlichen Aktivitäten zu ermöglichen. Was lag da näher als es mit einer der Kernkompetenzen des DAV, dem Klettern zu veranstalten. Da die Alpen etwas weit von Böblingen entfernt sind, kam also nur die Kletterhalle am Silberweg in Frage. Die Betriebsleitung des ROCCADION war von der Idee begeistert und stellte der Sektion für ihr Vorhaben die Halle für einen Nachmittag kostenfrei zur Verfügung, hierfür nochmals ein herzliches Dankeschön. Anke und Thomas aus der Sektion übernahmen die Betreuung.

An einem Mittwochnachmittag brachte ein Bus die Kinder ins ROCCADION, zunächst 10 Jungen, später dann 10 Mädchen mit jeweils einer Betreuerin zur Kletterhalle. Die Augen waren beim Betreten der Halle ob des gewaltigen Eindrucks groß. Doch die Faszination verflog sehr schnell. Die Kids wollten nur eines, sie wollten nach oben. Dennoch mussten sie zunächst einige Verhaltensregeln von Anke und Thomas über sich ergehen lassen, die von den Betreuerinnen ins Ukrainische übersetzt wurden. Ob die Regeln angekommen waren, oder ob sie im schnellen Durchzug das andere Ohr wieder verlassen haben, war nicht zu erkennen. Aufmerksamer ging es dann beim anschließenden Verteilen der Kletterschuhe zu. Hierbei brauchte kaum übersetzt zu werden, denn ihre Schuhgröße kannten die meisten bereits auf Deutsch. Selbstverständlich gehört zur Ausrüstung auch ein Klettergurt, der unter Mithilfe der Betreuer angelegt und auf den korrekten Sitz überprüft wurde.

Dann ging es los. Begonnen wurde im Boulder-Bereich. Bouldern ist Klettern in Absprunghöhe – ohne Gurt und ohne Sicherungsseil. Beides wurde aber auch nicht benötigt, denn sekundenschnell waren die ersten bereits oben auf der Plattform angelangt. Rot, gelb, blau oder grün, Farben der Griffe, die eigentlich die unterschiedlichen Routen kennzeichnen waren kein Thema. Nicht die Route war das Ziel, sondern „Oben ankommen“. Schließlich handelte es sich nicht um einen Wettbewerb, sondern um Spaß und Freude am Klettern. Es wurden noch einige andere Boulder-Routen in Angriff genommen. Aber eigentlich wollte man ja höher hinaus. Und nebenan waren doch die hohen Kletterrouten.

Endlich war es so weit, es ging in den Kletterbereich. 2800qm Kletterwände, teilweise mit steilen Überhängen, beschraubt mit unzähligen roten, gelben, blauen und grünen Griffen, die die einzelnen Routen kennzeichnen, empfingen die Kinder. Es folgten noch einige erklärende und mahnende Worte. Dann war Vordrängeln angesagt, denn nicht jeder konnte zu den Ersten gehören. Die Gewinner wurden von Anke und Thomas mit dem Sicherungsseil in den Klettergurt eingebunden und konnten unter der kritischen Beobachtung der Übrigen ihren Mut beweisen und die höchsten Routen in Angriff nehmen. Aber auch die anderen, die es sich zutrauten bekamen anschließend ihre Chance. Es wurde zwar nicht nach Routen geklettert, sondern der nächste Griff, egal welche Farbe, half beim Weiterkommen. Alle brachten nicht den Mut auf, sich ins Seil nehmen zu lassen, um den Weg nach oben anzutreten. Andere begannen zwar stark, mussten aber bald für sich erkennen, dass sowohl Kräfte als auch Mumm nicht unendlich sind. Trotzdem hat es allen Spaß und Freude bereitet. Zum Abschluss demonstrierte Anke noch, wie man eine Route im Vorstieg erschließt. Hierbei wird das Seil von unten mitgenommen und muss zur Sicherung eigenhändig in die Expressschlingen eingehängt werden.

Leider war die schöne Zeit schon wieder vorbei und Abschied nehmen war angesagt. Die Gurte wurden abgelegt und die Schuhe getauscht. Der Bus wartete bereits, um die Kids wieder in ihre Unterkunft zurückzubringen. Ein gelungener Nachmittag, an dem alle zufrieden waren. Die Kids, die in ein paar erlebnisreichen Stunden ihren Mut, ihre Kräfte und Koordinationsfähigkeiten ausleben konnten. Die Sektion Böblingen und das ROCCADION, in der Gewissheit, den Kindern ein paar unbeschwerte Stunden mit viel Spaß und Freude bereitet zu haben.

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