Tag 17   Lohr bei Rothenburg o.d.T. nach Bettwar (Taubertal)

Frühstück im Hotel und dann ab an den Schlachthof, wo mein Bus abfahren soll. Ich stehe gegenüber meinem gestrigen Ausstieg, aber der aushängende Busfahrplan zeigt kein Lohr. Komisch. Über die Straße und dort geschaut. 8:33 Uhr steht Lohr drauf. Ich bin zu früh dran und warte. Der Bus der Linie 95 kommt pünktlich aus Richtung Bahnhof. Ich springe über die Straße und frage den Busfahrer, ob er nach Lohr fahre. Er bejaht. Offenbar hat man die Aushangahrpläne falsch aufgehängt, erwidert er lakonisch mit osteuropäischem Akzent auf meinen Hinweis.

Aus dem Bus austeigend gilt mein erster Blick dem Himmel. Eigentlich wollte ich mein Gepäck heute im Hotel lassen und leichten Schrittes den ersten Teil zurücklegen, da ich durch Rothenburg komme. Der Wetterbericht hatte aber ersten Regen zwischen 8 und 9 Uhr und Zweiten gegen Mittag vorhergesagt, so dass ich lieber den Rucksack mitnahm weil ich so ohne Rucksack sonst nicht gewusst hätte, wohin mit dem Regenzeug und Getränk. Sieht doch am Himmel gut aus. Zwar graue Wolken, aber die sehen nicht unbedingt nach starken Regengüssen aus.

Ich verlasse Lohr auf der Straße auf der mich der Bus hierher gebracht hat in nordöstlicher Richtung. Wenig später biege ich in einen Feldweg ab, der mich in ziemlicher Nordrichtung führt. Durch ausgedehnte Getreide- und Maisfelder komme ich zügig nach Norden Rothenburg zu. Die Feldlerche ist zu hören.

Nach einer knappen Stunde – die Feldlerche ist nicht mehr zu hören – sehe den Baumriegel des Schandtaubertal. Es geht bergab und es fängt kaum merklich zu nieseln an. Die Schandtauber, die aus einer Karstquelle in der Nähe entspringt, ist ein kleiner Zufluss zur Tauber und mündet bei Rothenburg in dieselbe. Ich folge dem tief in den Muschelkalk eingeschnittenen Tal abwärts. Am Uferweg stehen Tafeln des wasserwirtschaftlichen Lehrpfandes, die mir die Furten und sonstige Bauwerke im Flussgrund zu erklären suchen.

Lesen kostet Zeit und so benötige ich für die knapp 2,5 Kilometer mehr als eine halbe Stunde bis ich an der Mündung in die Tauber stehe, wo der Nieselregen aufhört. Eine Entscheidung ist zu fällen. Da ich mein Gepäck bei mir habe, muss ich nicht durch die Spitalbastei in die Stadt, sondern könnte dem Taubertal flussabwärts folgen und durch die auf der südlichen Seite von Rothenburg liegenden Weinbergen wandern. Gestern habe ich die Altstadt noch ausgiebig zu Fuß erkundet und ich kenne Rothenburg auch aus früheren Besuchen. Also dem Fluss immer mit Blick auf die Türme der Stadt folgen. So der Plan. Ich quere den Fluss auf einer alten überdachten Holzbrücke und komme an der Gipsmühle vorbei. Treppe runter und ich stehe direkt vor einem mediterran anmutenden wundervollen Arkadengang an der Tauber. Dieser gehört zu einem Tagungszentrum der evangelischen Kirche. Ob der frei zugänglich ist, weiß ich nicht, lasse mich aber von einer herrschaftlichen Durchschreitung in ganzer Länge nicht abhalten.

Ein kurzes Stück auf der Zufahrt zum Tagungshotel weiter muss ich eine unscheinbare Treppe hoch. Steil geht es auf schmalem Pfad bergan. Ich folge ein ganzes Stück, dem nun hangparallel verlaufenden undeutlichen Pfad, bevor ich mich mitten im Hang verlaufe. Ich glaubte, ich sei schon viel weiter und versuchte immer steiler aufzusteigen, bis ich merkte, ich bin auf einem Mountainbiketrail. Vor einer vielleicht knapp 7 Meter hohen, fast senkrechten Abfahrtsrampe, kehre ich um. Wieder zurück nach unten. Wenig später erreiche ich die alte Steinbrücke über den Fluss. Ich bleibe auf meiner Seite des Flusses und passiere wenig später eine Kapelle am Wegesrand.

Ich folge noch immer der Tauber und entscheide mich nun, statt am Fluss über die Weinberge mit Weinlehrpfad zur alten staufischen Burg auf dem äußersten westlichen Ende des Bergsporns aufzusteigen. Der Anstieg ist steil und mit Treppen durchsetzt. Weinberge eben. Rauf geht es irgendwie immer steil. Die Reste der alten staufischen Burganlage, von der nicht mehr allzuviel zu sehen sind, haben einem schönen Garten Platz gemacht. Man hat von allen Seiten einen guten Blick entweder ins Taubertal, die Stadtmauer samt Tor oder das bewaldete Seitental, welches die Nordseite der Burg schützt. Ich bewundere einen Brunnen und lese die Stauferstele, bevor ich an einer alten Wehrkirche, die Teil der alten Stadtbefestigung ist, die Stadt verlasse. Die Kirche hat zwei Seiten. Stadteinwärts sind Fenster. Allerdings erst in großer Höhe, während die stadtauswärtige Seite überhaupt keine Fenster sondern Schießscharten aufweist. Auf halber Höhe über der Tauber wandere ich auf dem Mittelhangweg an Detwang vorbei nach Bettwar. Dort habe ich gestern beim „Guten Hirten“ Quartier bestellt.

Die „Alte Schreinerei“ wäre auch eine Alternative gewesen, wie ich beim Abendessen feststelle. Wahrscheinlich sogar die Bessere. Insgesamt habe ich heute in gut 3 Stunden nur knapp 16 Kilometer zurückgelegt.