Tag 18 Bettwar (Taubertal) nach Creglingen
In der Unterkunft gibt es kein Frühstück. Ich bin aber zuversichtlich in Tauberschreckenbach oder Tauberzell einen Bäcker zu finden, der mir gegen Entgelt Heißgetränke und Backwerk feilbietet.
Immer flussabwärts auf dem Radweg „Liebliches Taubertal“ gehend brauche ich eine knappe halbe Stunde bis Schreckenbach. Der Radweg führt schnöde geradeaus. Ich habe aber andere Pläne: Bäcker. Also über die Brücke und rein in den Ort. Nachdem ich den halben Ort durchschritten hatte und noch immer keine Backwarenverkaufsstelle zu entdecken ist, spreche ich eine Frau, die ein altes silbernes Mercedescabrio der späten 50er/frühen 60er polierte, auf mein Bedürfnis nach Frühstück und Bäcker an. In gibt Schreckenbach es Keinen. Ob es Zell einen gibt, wisse sie leider nicht.
Den Ort verlasse ich bergan in Richtung der alten Weinberge. Der nun sich fast eben hinziehende Weg ist wieder ein Wein- und Bauernlehrpfad auf dem die Geschichte des Weinbaus des Orts beschrieben wird. Die meisten Parzellen sind aber heutzutage unbewirtschaftet, da der Aufwand – vor allen Arbeitsaufwand – in keinem Verhältnis zum finanziellen Ertrag steht. So verbuschen die alten Weinbergterrassen und die Trockenmauern stürzen ein. Aufwändig mit Steuermitteln finanzierte Naturschutzarbeiten sind die Folge, soll der Wald, dem man den Boden in der Vergangenheit abgetrotzt hat, sich das Terrain nicht zurückholen.
Weitere gut 30 Minuten später erreiche ich Tauberzell, nachdem ich steil abgestiegen bin. Weinbergwege sind irgendwie immer steil, egal wo. Also rein in den Ort und auf die Suche machen. Ich spreche eine Einheimische auf mein Begehr eines Bäckers an. Auch in Zell wird mein Begehr nicht erfüllt werde können, wird mir glaubhaft versichert. Ein Kaffee wird mir zwar angeboten, aber Hunger habe ich so langsam. Ich vertraue auf die Ehrlichkeit der Einheimischen im fränkischen bayrisch-württembergischen Grenzgebiet. Also wieder bergauf raus aus dem Ort und kurz bevor ich eine Hütte finde, stehe ich ein Reh, das unbeweglich knapp 30 Meter vor mir auf meinem Weg steht. Der Wind bläst mir ins Gesicht und auf dem weichen Boden mache ich kaum Geräusche. Langsam zücke ich mein Handy und mache ein Foto, bevor ich mich akustisch bemerkbar mache, damit es in alle Ruhe fliehen kann.
Wenig später komme ich an eine Hütte, die eine Bank hat. Ich habe ja noch ein paar Müsliriegel und Wasser eingepackt. Die müssen nun dran glauben. Ich sitze ein paar Minuten mit Blick auf die gegenüberliegende Tatseite. Hier kann man erkennen, was passiert, wenn man die ehemalig landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht mehr nutzt. Verbuscht und teilweise stehen hier schon 15 Meter hohe Bäume. Außerdem sind die hier typischen quer zum Hang verlaufenden Lesesteinwälle teilweise eingestürzt.
Eine gute halbe Stunde Wegstrecke später sehe ich Archshofen auf den anderen Flussseite. Ich steige vom ehemaligen Weinberg ab und quere den Fluss. Ich überquere die Landesgrenze. Ab hier ist der Kirchturm von Creglingen schon zu sehen. Meine Unterkunft liegt direkt am Weg in die Innenstadt. Ich habe Glück und kann mein Gepäck gleich hier lassen. Nur mit Portemonnaie und Handy bewaffnet mache ich mich in die Stadt auf. Ich finde einen Bäcker, der mir Cappuccino und leckeres Backwerk gegen Silberlinge aushändigt.
In der Unterkunft gibt es kein Frühstück. Keiner der drei Bäcker im Ort hat erkennbar morgen für eine Frühstückseinkehr offen. Also auf zum Einkaufsladen und auf dem Rückweg suche ich ein Gasthaus für´s Abendessen. Unterwegs gönne ich mir noch einen Eisbecher, bevor ich meine Einkäufe ins Zimmer schaffe. Eine ausgiebige Dusche samt Mittagsschläfchen später, mache ich mich auf zum Abendessen. Nachdem ich gut gespeist habe, suche ich die örtliche Sportsbar auf, die ich auf dem Rückweg vom Laden noch entdeckt habe. Der Abend ist gerettet. Fußball WM läuft.
Heute war ein kurzer Tag. Lediglich gut 3 Stunden unterwegs und nach nur etwas mehr als 13 Kilometer näher ans Ziel gekommen.