Tag 21   Goßmannsdorf nach Würzburg

Nach dem Frühstück mache ich mich auf, um den 8:33 Uhr Zug nach Goßmannsdorf zu erwischen. Eigentlich wollte ich das Gepäck im Hotel lassen, aber der Wetterbericht hatte ab halb zehn und gegen Mittag leichten Regen angekündigt. Ohne Rucksack, weiß ich nicht, wie ich Regenjacke und -hose sinnig verstauen soll. Als ich aus dem Hotel, nur 3 Minuten vom Bahnhof entfernt, trete, ist die Straße nass.

Im Zug plane ich die Route nach Würzburg um. Ich lasse den steilen Anstieg von Goßmannsdorf rauf in den Wald aus und entscheide mich, dem Weg an der Bahnlinie bis zumindest nach Wintershausen entlang zu folgen. Das verkürzt die Etappe um einen knappen Kilometer und spart auch Höhenmeter, da Bahntrassen ja grundsätzlich eben verlaufen. Normalerweise hat die Bahn neben ihrer Trasse immer gut begehbare Wege zur Unterhaltung der Trasse geschaffen.

Die Idee geht zuerst gut auf. Kaum dass ich auf den Weg neben der Trasse eingebogen bin, wird aus dem Feinschotterweg ein Wiesenweg, bei dem auch noch Büsche und Sträucher samt hohes Gras weit in den Weg hineinragen. Die Schuhe und Hosenbeine sind schnell nass. Hoffentlich halten sie heute dicht und ich bekomme keine nassen Füße. Regnen soll es ja auch noch. In Wintershausen wird die Straße erneuert. Kein Problem denk´ ich. Doch auch die Mainbrücke, über die ich auf das Ostufer will, ist gesperrt. Es folgt eine komplizierte, aber gut beschilderte Fußgängerumleitung zur für Fußgänger noch teilweise begehbaren Brücke. Nach Donau, der A8 und A7 ist nun mit dem Main das vierte „Großhindernis“ auf dem Weg nach Norden überquert.

Auf dem Radweg am Mainufer entlang geht es zügig nach Eibelstadt. Da ich trotz Frühstück Hunger habe, biege ich in den Ort ab. Ich sehe zwar einem Mann mit Brötchentüte in der Hand, finde aber den Bäcker nicht. Eibelstadt ist ein hübscher kleiner Weinort am Main. Alte Stadtmauer, hübsches Kirchlein samt Marktplatz. Ein EDEKA Markt, leider ohne Bäcker, dafür mit guter Obstauswahl, entschädigt mich. Getränke sowie Apfel und Banane, wandern in den Rucksack. Den Umweg durch die Weinberge lasse ich heute aus. Das Taubertal hat mich für diesmal genug über Weinbau und dessen Herstellung gelehrt. Und die berühmten Versteinerungen, die man Mitte des 19. Jhdt. hier fand, eine vollständig erhaltene Weinrebe oder ein sich paarendes Froschpärchen, sind inzwischen auch als dreiste Fälschung entlarvt worden.

Die Unterführung des Radweges unter der B13 ist gesperrt. Ein Bagger steht drin und werkelt. Ich frage den Baggerführer, ob ich vorbei dürfe. Es gebe ein wirklich großes Loch und es sei gefährlich meint der Baggerführer. Ich verspreche ihm, nicht in Loch zu fallen und schließlich willigt er ein, für eine Minute das Baggern sein zu lassen. Easy denke ich und springe mit einem großen Schritt über das 50 cm tiefe Loch.

Eine Bank mit Blick auf den Main lädt zum Verweilen ein. Komischerweise werden hierbei auch die kurz zuvor erstandenen Güter verzehrt. Ein Blick zum Himmel mahnt dann aber doch zum Aufbruch. Die Wolken ziehen zügiger und werden dunkler. Also auf nach Randersacker. Vor Randersacker holt mich 200 Meter nach der Autobahnbrücke der A3 der Regen ein. Ich überlege. Regenhülle auf Rucksack? Auf jeden Fall. Habe ich in der Bahn noch trockene Wechselkleidung. Regenhose. Nein, das geht schon. Die Entscheidung stellt sich als goldrichtig raus. Es regnet nur 10 Minuten und auch nicht allzu kräftig.

Die Fischerzunft Randersacker, früher ein Fischer- und Weinbauerndorf bevor es zur Schlafstadt Würzburgs wurde, hat am Main einen Fisch- oder Fischereipfad eingerichtet, der über die Mainfischerei und die Mainfische unterrichtet. An der Schleuse Randersacker wird gerade gearbeitet und ein Schuber will mainabwärts. Ich überhole ihn rechts, allerdings nur für gut 10 Minuten, denn als die Schleusentore aufmachen, wird es laut und er macht ordentlich Dampf auf. Randersacker hatte bereits im 19 Jhdt. eine brückenzollfinanzierte Mainbrücke, die die Wehrmacht allerdings 1945 gesprengt hat und bis heute nicht wieder aufgebaut wurde. Teile eines Pfeilers sind noch zu erkennen. Zuvor und zwischen 1945 und 1968 gab es eine Mainfähre auf der Pilger unentgeltlich - quasi gegen Gotteslohn – übergesetzt worden sind. Ob ich dazugehört hätte, frage ich mich? Versucht hätte ich es ganz sicher.

Halb zwölf und da vorn ist ein Biergarten. Ich habe Hunger und vor allem Durst. Ich bin gut in der Zeit. Unerklärlicherweise lenken sich meine Schritte wie von selbst in den Biergarten. Nichtalkoholisches Getränk und ein fränkisches Bratwürstel bestellt und unter einem Sonnenschirm Platz genommen. Eine gut 10-köpfige Gruppe mit oberbayrischem oder gar österreichischem Dialekt stärkt sich mit Weißbier und Weißwürsten samt eine großen Haufen Brezeln. Sie rufen dem Wirt zu, er solle doch mal eine Blasmusik statt des Schlagergedudels spielen. So komme ich in den Genuss zünftiger Blasmusik zu meinem Würstchen.

Unter der B19 hindurch am Stadtteil Sanderau vorbei erreiche ich Würzburg-Zentrum. Diesmal verzichte auf Weißwein auf der alten Mainbrücke und gehe direkt Richtung Dom. Irgendwie sind die Beine schwer. Ich überlege das Stück vom Dom zum Bahnhof mit der Straßenbahn zu fahren, verwerfe die Idee aber zugunsten des Besuchs des Juliusspitals. Dies ist eine Stiftung eines ehemaligen Würzburger Bischoffs, die noch heute ein Altenheim und ein Krankenhaus finanziert sowie Einrichtungen der medizinischen Fakultät beherbergt. Außerdem haben sie einen schönen Garten direkt in der Innenstadt. Die Stiftung ist nach dem Freistaat und noch vor den Thurn und Taxis der größte Waldbesitzer Bayerns. Da kommt sicher was zusammen.

Heute bin ich nach gut 3,5 Stunden Gehzeit und gut 19 Kilometer Strecke am Zwischenziel Würzburger Bahnhof angekommen. Diesmal auch ziemlich passgenau, geht doch mein Zug heimwärts in 10 Minuten. In Würzburg ist erstmal Pause, rufen mich doch Verpflichtungen für ein paar Tage nach Hause.