Tag 32   Waldkappel nach Trubenhausen

Gut gefrühstückt geht es los. Heute stehen zwei lange und steile Anstiege auf dem Programm. Glücklicherweise ist der Ortsname Waldkappel Programm. Es dürfte viel durch den Wald gehen, da die Temperaturen wieder über die 30° C Marke gehen werden. Meine Wasserflaschen sind randvoll.  Ich verlasse mit großen Schritten den Ort Richtung Nordosten, wo es gleich mäßig bergauf in den Naturpark Hoher Meißner geht.

Immer am südlichen Waldrand entlang, der leider kühlen Schatten spendet, komme ich, nachdem ich mich einen kurzen Stich mit 25 Prozent Steigung hinaufgekämpft habe, nach Hetzgerode. Den Ort verlasse ich auf einen Feldweg in nordwestlicher Richtung dem Bach Hetze folgend. Ein Telefongespräch führt dazu, dass ich an einer Wegspinne den falschen Weg wähle. Ich telefoniere fröhlich weiter, wobei ich mich immer weiter von der Kreuzung entferne. Nach knapp10 Minuten bemerke ich meinennFehler. Was tun? Ich habe zwei Optionen. Klar, zurück den Berg runter und dann die richtige Abzweigung oder komoot verrät mir, dass es zum richtigen Weg nur 300 Meter Luftlinie sind. Allerdings wie ein Blick verrät steil bergauf ohne Weg. Was tue ich? Klar, Luftlinie über das im letzten Jahr geschlagene Waldstück, das langsam zuwächst. Anstrengend und steil. Oben angekommen werde ich mit einem tollen Waldweg belohnt. Männer sind doch einfach nicht multitaskingfähig.

Der Weg geht später in einen gut ausgebauten Forstweg über, dem ich bergauf folge. Fast hätte ich erneut die schmale Abzweigung verpasst. Auf undeutlichem Pfad geht es nun ohne Höhendifferenz durch den Wald. Ich erreiche den ersten Hochpunkt mit Blick auf den Hohen Meissner. Nun geht es wieder im Wald bergab bis ich die Verbindungsstraße Waldkappel nach Hess. Lichtenau queren muss. Auch hier kommt es zu einer kleinen Verirrung, da die Abzweigung vom Forstweg auf einen kleinen Weg steil bergab nicht zu finden ist. Ich bin zwar am richtigen Ort, es geht auch steil im Wald bergab, aber weder ein Hinweis noch eine Lücke in der Vegetation deuten auf einen Weg hin. Egal, ich breche durch die Vegetation und stoße nach ein wenig hin und her hangabwärts auf die deutlich sichtbare Pfadspur, die wenig später in einen Waldweg mündet. Kurz dient ein „G“ als Wegweiser. Diesem kann ich leider nur ein paar hundert Meter bergab folgen, und erreiche eine Straße.

An der ersten Bank nach der Straße mache ich kurz Pause und leere die zweite Halbliterflasche in einem Zug. Hier ist kein Mensch unterwegs. Schön. Ich folge einem schmalen Waldweg, bis komoot eine andere Idee hat. Hinein in den dichten Wald des Meisser Naturparks. Auf kleinen, kleinsten und noch kleineren Wegen lotst mich komoot immer tiefer in den Naturpark. Anfangs ist der Weg gut zu erkennen. Ein schmaler Waldweg führt in den Forst. Dann hatte der Wegwarte entweder keine Zeit oder keine Lust. Keine Schilder und der Weg wurden immer undeutlicher. Hier sind ganz offensichtlich wirklich nur Wenige unterwegs. Spannender Weg. Ich traf auf wundersame Weise wieder auf einen Waldweg. Ich hatte die Hoffnung auf einen guten Weg vor dem Ehrenmal am Hohen Meisser schon fast aufgegeben. Das Ehrenmal steht an einem künstlich angelegten Hain ähnlich dem Olgahain im Schönbuch und war früher ein beliebtes Ausflugziel. Hier steht auch eine Schutzhütte in geringer Entfernung.

Komoot schlägt den Weg um den Hohen Meißner herum vor, aber die Schilder weisen auf eine Gaststätte in Gipfelnähe mit dem Hinweis 20 Minuten hin. Ich habe Durst. Also hinein in den Forst. Steil bergan auf schmalen auch deutch Mountainbikern als Downhillstrecke verwendet bergaufwärts. Pech. Oben auf dem Querweg in der Sonne habe ich zwar hervorragende Aussicht bis nach Kassel, sehe den Hohen Meißner zwar prima, finde sogar eine Bushaltestelle, aber die Gaststätte hat nicht erst seit diesem Jahr Betriebsferien. Aber nicht weit steht das „Hoher Meißner Haus“ der Naturfreunde. Ganz in der Nähe fand im Oktober 1913 der „Erste Freideutsche Jugendtag“ statt und der Berg wurde anschließend von nur Meißner in Hoher Meißner unbenannt. Im Haus gibt´s Kaltgetränk und Vesper – man kann dort sogar nächtigen – und ich fülle eine meiner leeren Wasserflaschen wieder auf.

Durch den Wald wandere ich bergab auf Waldwegen, quere eine Landstraße und komme an die umzäunten Orchideenwiesen „Bühlchen“, bevor ich auf schmalem Pfad steil nach Trubenhausen absteige. Dort steige ich in den Bus, der mich über Witzenhausen schlussendlich nach Göttingen, meine alte Unistadt, bringt, wo ich Quartier mache.

Eigentlich wollte ich den Bus vom Bahnhof zur Jugendherberge nehmen, aber warten wollte ich nicht und so machte ich mich zu Fuß die knapp Kilometer zur JuHe auf. In Erinnerung schwelgend und abschätzig die Neubauten betrachtend wandle ich auf aus Studienzeiten vertrauten Pfaden zur Jugendherberge am Nonnenstieg. Ich bezieh´ mein Zimmer, esse zu Abend und bevor ich mich zum Abschluss auf ins ROXX, der Kletterhalle am Sportinstitut der Uni, für ein Kaltgetränk begebe. Schön war doch die Zeit als Student …., hänge ich in der Abendsonne sitzend und die sporttreibenden jungen Leute beobachtend meinen Gedanken nach. Leider war der „Dorfkrug“, meine Stammkneipe im „Dörfchen“ zu, so dass es kein Bier auf dem Gehweg im Stehen gab. Eine gute viertel Stunde später muss es eines aus dem Automaten an der JuHe richten.

Heute bin ich in gut 5 Stunden Gehzeit bei knapp 27 Kilometern Strecke mit doch fast 1.400 Höhenmeter Anstieg meinem Ziel Sylt ein gutes Stück nähergekommen. Die Kassler Berge. Ich hab´ es schon immer gewusst, stellten, was die Höhenmeter angeht, die Königsetappe dar.