Tag 34 Arenshausen nach Göttingen

Ich bin früh dran und so starte ich nach dem Frühstück zu Fuß zum Bahnhof. Der Regionalexpress ist pünktlich. Kurz vor Friedland stoppt der Zug mitten auf der Strecke. Ob der den Anschluss Richtung Bad Heiligenstadt hält? Ich frage den Schaffner, der mir mitteilt, dies werde nichts, da sie auf der Strecke keinen Strom hätten und er nicht wisse, wann es weitergeht. Noch im Zug plane ich um. Arenshausen wird nix, da ich keine knapp 2 Stunden am trostlosen Bahnhof Eichenberg warten will. Also starte ich meinen Weg nach Göttingen in Eichenberg und hole den Rest von Arenshausen nach Eichenberg nach.

Teil 1 Arenshausen nach Eichenberg

Von Heiligenstadt kommend hält der Zug in Arenshausen. Schnell gehe ich zurück nach Hohengandern, wo ich nach Arenshausen abgebogen bin. Ein Wiesenweg führt kurz vor der Tankstelle zur Bahnlinie, der ich grundsätzlich folgen will. Wenig später stoße ich auf einen Wegweiser „Drei Ländereck“. Hier treffen die Bundesländer Thüringen, wo ich noch bin auf Hessen und Niedersachsen. Auf dem Weg entdecke ich noch einen alten Grenzstein DDR/BRD im Boden. Wenig später bin ich am Drei-Ländereck, das schon vor der Kaiserzeit die Grenze von drei Ländern war. Kurfürsten Hessen (KFH), Königreich Preußen (KP) und Königreich Hannover (KH), die später amerikanische, britische und russische und Besatzungszone wurden. Am Grenzstein, so die Geschichte, sollen sich ab und an drei Volksschullehrer bis zum Bau des Zauns aus den Orten Eichenberg, Reckershausen und Hohengandern zum Kartenspiel verabredet haben. Am Schmiedeberg unterhielten die Amerikaner, obschon geografisch zur britischen Zone gehöhrig, einen Beobachtungspunkt an der innerdeutschen Grenze. Den Turm gibt es nicht mehr. Zu beobachten gebe es ohne nix mehr. Die Betonfundamente sollen noch im Boden zu sehen sein.

Vom Grenzstein zeigt komoot immer westlich haltend einen Pfad direkt zur Waldbahn und zum Bahnhof Eichenberg. Ich finde zwar der Grenzstein, den Pfad aber nicht. Alles dicht zugewuchert. Brombeergestrüpp. Kein Durchkommen. Also zurück. An einer steilen Wiese entscheide ich, nicht ganz so weit zurückzugehen und mein Glück – komoot meint 100 Meter weiter nördlich treffe ich einen oder besser den Pfad – zu versuchen. Bergan über eine magere Wiese komme ich den Waldrand. Ich finde die Fundamente des alten US-Turms. Ich folge einer Art Spur in den Wald. Kaum Brombeeren sind das einzig Gute, was zu diesem nicht existenten Weg zu sagen gibt. Es ist einfach kein Weg. Nicht mal ein Wildwechsel. Komoot fantasiert da einen alten Weg, der seit mindestens 10 Jahren nicht mehr begangen wird. Ich bewege mich schrittweise und geduckt durch dichtes Gestrüpp, weiche Brombeerranken aus und benötige für ca. 500 Meter Strecke über 20 Minuten, bevor ich auf die Überreste der Waldbahntrasse stoße. Nun geht es flott. In knapp 5 Minuten geht mein Zug und es ist noch ein knapper Kilometer. Ich sehe den Bahnhof und auf dem Gleis steht ein Zug. Ich überquere die Gleise 10 und 11. Als ich in der Unterführung der Gleise 9 bis 4 bin, höre ich den Zug abfahren. Ich bin zwei Minuten zu spät. Egal, ich warte die 30 Minuten und trinke derweil meine Wasservorräte aus. Habe ich doch nun Zeit mir ein Quartier in Northeim (Han) zu suchen. Dann kann ich morgen ohne Gepäck die 27 Kilometer von Göttingen aus nach Northeim in Angriff nehmen.

Insgesamt habe ich für die 5 Kilometer gut eineinviertel Stunden benötige und sage und schreibe 70 Höhenmeter bewältigt.

Teil 2 Eichenberg nach Göttingen

Heute geht es fast direkt nach Norden. Kurs 360 sozusagen. Ich verlasse Eichenberg und schlängle mich durch das Gleisdreieck, war Eichenberg doch ein alter Bahnknoten. Hier wandert kein Mensch. Die Wege, die komoot zu kennen vorgibt, sind teilweise kaum erkennbar und zugewachsen. Noch vor Niedergandern komme ich aus dem Wald in die pralle Sonne. Der Wetterbericht hat mehr als 35° C im Schatten vorhergesagt. Wenn es denn welchen gibt. Nun nehmen mich erstmal breite Wirtschaftswege Richtung Reckershausen auf. Ich unterquere die A38 und komme an Reckershausen vorbei in ein Wäldchen, das mir den ersehnten Schatten spendet.

An der Leine stehen ein paar Bäume und aus dem Wirtschafts- wird ein Wiesenweg, den ich gerne aufnehme. Ich folge der Leine nun grundsätzlich abwärts, fließt die zum einen nach Norden und zum anderen durch Göttingen. Ich komme an (mir) so bekannten Orte wie Groß-Schneen vorbei und wandere durch Klein-Schneen. Ab Obernjesa bis fast nach Niedernjesa wandere ich zwischen Bahnlinie und Leine immer nordwärts. Die Sonne brennt, der Schweiß rinnt und die Wasservorräte sind bald aufgebraucht. Wozu gibt es einen Friedhof in Niedernjesa? Trinken und Wasser fassen.

Die letzten 7 Kilometer geht es durch ausgedehnte Getreidefelder südlich Göttingens immer in der prallen Sonne. Die Felder werden lediglich durch den alten Gutshof von Reinshof unterbrochen. Nach Reinshof setzte ich mich auf den Boden in den Schatten eines alten Baumes, da ich Durst habe, erschöpft bin und die Bahn-App checken will. Ich will heute wieder nach Hause fahren. Mein letzter deutschlandticketfähiger Zug geht ab 16:04 Uhr. Das schaffe ich.

Also weiter und ich komme beim Kiessee nach Göttingen. Viertel vor 4 bin ich am Bahnhof. Die Anzeigentafel teilt mir mit, der Zug, den ich nehmen wollte, habe 25 Minuten Verspätung. Damit schaffe ich den Anschlusszug in Kassel nicht mehr. Geht da noch was? Nein, ich würde um halb 4 in Bamberg stranden und habe keine Lust 90 Minuten am dortigen Bahnhof nachts rumzuhängen. Also rein ins Service-Center ein ICE-Ticket zum Maximalpreis erstanden. Drei Minuten vor Abfahrt des ICE stehe ich auf dem Bahnsteig.

Heute bin ich in knapp 4 Stunden reiner Gehzeit nach knapp 21 Kilometern Durchgangsstrecke mit nur noch 90 Höhenmetern Anstieg in Göttingen angekommen. Durchgangsstrecke, war der Weg landschaftlich nicht besonders schön und bis auf eine kurze Strecke führt er auf befestigten Wegen zum Ziel. Kann man, muss man aber nicht so machen.

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