Tag 36   Northeim (Han.) nach Düderode

Ein gutes Frühstück, ausgecheckt und dann geht es auch schon los. Es ist erst acht, als ich mich aufmache, will ich doch heute zwar nicht weit kommen, aber ich bin ab 14 Uhr zum Schwimmen im Waldfreibad von Düderode verabredet. Der Wetterbericht sagt ab 15 Uhr mit 40 Prozent Wahrscheinlichkeit Gewitter voraus.

Ich wähle den Weg durch den alten Friedhof um am Sportplatz die Leine zu überqueren. Zuerst macht die Bahnschranke kurz vor mir zu. Soll ich noch unterdurchrutschen oder nicht? Ah der Zug kommt schon. Besser nicht. Am Netto biege ich rechts ab und erreicht am Leinekanal eine Fußgängerbrücke. Komoot zeigt den Weg als gesperrt an, aber die frisch renovierte Brücke macht mich hoffnungsfroh. Ich passiere die Fischtreppe am kleinen Stauwehr und komme zur Unterführung an der Umgehungsstraße. Rein komme ich in die Unterführung zwar, aber am Ausgang stehen festgemachte Baustellenabsperrungen. Es geht nicht weiter. Was nun? Zurück? Habe ich keine Lust. Ein kritischer Blick auf den Brückenpfeiler könnte eine Lösung aufzeigen. Er besteht aus gemauerten Sandsteinblöcken und ist ca. 4 Meter hoch, wobei oben ein ca. 1 Meter hoher Betonabschluss thront. Kommt man da rauf? Mit Rucksack ohne Kletterschuhe?

Der erste Versuch scheitert in gut anderthalb Metern Höhe. Ich rutsche ab und kratze mir das linke Schienbein auf. Der zweite Versuch gelingt besser. Ich erreiche den Betonabschluss in 4 Metern Höhe und ein weiter Zug bringt mich an die Brückengeländerumfassung. Beide Hände ran, festhalten, hochlaufen, nachgreifen, Hintern hoch, der rechte Fuß tritt auf Reibung an und plötzlich ist der linke Schuh auf der Brücke. Die Reflexe greifen. Über das Geländer. Ging doch!

200 Meter rechts geht der Feldweg durch die Felder nach Langenholtensen ab, wo ich am Friedhof eine leere Wasserflasche fülle. Ein kurzer steiler Anstieg und Abstieg führen mich zuerst nach Denkers- und dann wenig später nach Lagerhausen. Nach Lagershausen nimmt mich wieder der Wald auf. Flach geht es nun auf weichen Waldwegen dahin.

Auf breitem, geschotterten Waldweg geht es dahin. Immer Willershsausen zu. Der Weg macht eine leichte Linkskurve aber komoot will unbedingt gerade aus. Der Weg sieht zugewachsen aus. Erinnerungen an Eichenberg kommen hoch. Ich gehe gerade aus. Nach 5 Minuten nimmt die Anzahl und die Höhe der Brombeerbüsche zu. Irgendwann entscheide ich mich, obwohl mich komoot in 300 Metern auf einen breiten Waldweg führen will, dann doch umzukehren. Ein Weiterkommen ist ohne Hilfsmittel für Fußgänger nicht möglich. Also kleiner Umweg über geschottert Wege. Als ich an der Stelle bin, wo der vorherige Weg einmünden soll, bin ich ratlos, denn hier führt nicht mal eine Pfadspur auf den Schotterweg.

Ich verlassen meinen breiten Weg auf einem Pfad nordwärts gehe über ein Weise und sehe eine schöne Bank im Schatten. Kurze Pause. Weiter geht es leicht wieder am Waldrand bergan und in den Wald. Als ich am Waldrand entlang gehe, die Karte verrät, dass mein Blick auf Westerhof fällt und ich kurz vor Willershausen bin, sehe ich einen großen Baum mit Bank vor mir. Ein Blick zur Uhr verrät mir, dass es noch Zeit für eine Pause ist. Ich lasse mich im Schatten des Baumes nieder. Mein Hemd ist total nass geschwitzt und ich ziehe es in der Hoffnung aus, es trockene während der Pause etwas.

Wenig später, die zweite Flasche ist nun auch leer, gehe ich weiter. Willershausen wartet. Es ist kurz nach halb eins und ich schätze ich habe noch eine Stunde Gehzeit. Ich habe noch genug Wasser, und bin zu früh dran. Also setzte ich mich am Ortsausgang unter einen dicken Baum und vertrödele eine halbe Stunde. Das letzte Stück Feldweg führt asphaltiert Richtung Waldfreibad von Düderode. Ein Blick nach oben zeigt, dass von Westen dunkle Wolken ausziehen. Ab 15 Uhr ist Gewitter angesagt. Sollte das früher kommen? Also mache ich mich auf.

Verabredet war, dass ich mich eine halbe Stunde vor Ankunft am Freibad bei meiner Cousine melde. Ich rufe an und sie meint, entweder es gewittre oder aber es sei so voll, dass an Schwimmen nicht zu denken sei. Ich solle besser gleich zu ihr kommen. Der Kaffee sei schon fertig. Also Planänderung. Zu ihr in den Garten. Wenig später sitzen wir im Schatten und es gibt Kaffee und Kuchen, bevor ich nach ausgiebiger Dusche und frisch gemacht, sie zum Abendessen einlade. Wir ziehen weiter zu meiner zweiten Cousine und der Abend lang. Sehr lang. Es ist genug Einbecker Ratsherren im Keller. Erst gegen halb zwei liege ich im Bett. Aber egal, ich muss morgen ja nicht um halb sieben aufstehen.

Heute bin ich in knapp 4 Stunden reiner Gehzeit nach gut 18 Kilometern Strecke mit nur noch 480 Höhenmetern Anstieg in Düderode angekommen. Die Anstiege werden flacher und immer geringer. Die Rübensteppe naht nun merklich.