Tag 42 Ehlershausen nach Celle
Nach einem kräftigen Frühstück packe ich, entgegen meinem Plan nur mit leichtem Gepäck zu gehen und einen Teil erst später abzuholen, alles zusammen und mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Der Regionalzug bringe mich in kurzer Fahrt – es sind nur zwei Haltestellen - nach Ehlershausen zurück. Heute ist es bewusst eine kurze Etappe, will ich doch mit dem Zug heute Nachmittag nach Hause fahren und habe ein Ticket mit Zugbindung.
Raus aus dem Zug, den Rucksack richtig aufgesetzt und los geht es. Immer Kurs Nord-Nord-Ost. Ich folge heute eigentlich den ganzen Tag der Bahnlinie Burgdorf – Celle. Hier verkehren nicht allzuzviele Züge. Dafür allerdings eine Menge Güterzüge. Irgendwie habe ich es eilig, daher lasse ich den vorgeschlagenen Weg meines Handys außen vor und bleibe nah bei der Bahn – kann ich mich schon nicht verlaufen – und habe hoffentlich einen guten Weg. Irgendwie muss die Bahn ja die Strecke pflegen. Anfang ist der Weg noch geteert und ich komm an einem Reiterhof und einem Flugplatz vorbei. Kurz vor dem Reiterhof wird auf der schmalen Straße eine Mischung aus Schotter- und Sandpfad. Es wird heute ein heißer Tag werden, ist doch der Himmel wolkenlos und der Wetterbericht hat auch mehr als 30° C vorhergesagt.
Wenig später erreiche ich Jägerheide, einen Ortsteil von Großenmoor. Der Orts st in fünf Minuten durchschritten und der einspurige Pfad wird nun breiter aber die Beschaffenheit ändert sich nicht groß. Aus dem Pfadspur wird ein Feldweg an kleinen Bäumen und Büschen vorbei. Wenig später bin ich in Großenmoor. Am alten Bahnwärterhäuschen muss ich die Bahnlinie queren und ein Stück nach Osten auf der Dorfstraße gehen. Knapp100 Meter entfernt geht es wieder Richtung Norden und ich erreiche die Burgdorfer Aue, der ich nordwärts und folge. Leider habe ich mich für die falsche Seite entschieden. Das Westufer hat viel weniger Schatten als die andere Seite und es wird immer wärmer. Doch wie komme ich rüber. Rüberspringen ist nicht möglich und zum zurückgehen habe ich keine Lust. Das wären auch bestimmt 500 Meter. Also bleibe ich notgedrungen auf dieser Seite. Weg kann man das frisch gemähte Stück am Ufer eigentlich nicht nenne, aber es ist kurz gemäht und man kommt problemlos zügig voran.
Ich bewege mich und zwischen Aue und Bahnlinie. Plötzlich stehe ich vor einer Bahnbrücke. Da prangt zwar ein Schild „Betreten verboten“. Die Bahnlinie sieht nicht mehr befahren aus. Gras wächst nicht nur zwischen den Schwellen sondern auch über die Gleise. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass gegenüber und da scheint die Strecke hinzulaufender ehemalige Standortübungsplatz von Celle liegt. Wahrscheinlich ein Abzweig für die Bundeswehr, denke ich mir, als ich auf den Schwellen die Burgdorfer Aue überquere.
Endlich bin ich auf der Schattenseite der Aue. Hier ist der auch Weg deutlich besser. Wäre ich nur gleich auf dem Ostufer geblieben. Keine drei Kilometer später muss ich an einen geschlossenen Bahnübergang warten. Die Zeit nutze ich für eine kurzen Schluck aus der Pulle. Mein Weg will wieder auf die andere Seite der Bahnlinie. Da die Aue wenig später in den Fühsekanal in Celle mündet, wäre ich auf dieser Seite ohnehin nicht weitergekommen. Den Kanal überquere ich auf einer Pfadspur an der Bahnlinie. So eine Streckenführung habe ich bei uns noch nie gesehen. Einen Meter neben den Gleisen führt die Fußgängerspur über den Bach, ohne dass es eine Abgrenzung zwischen Fußgängern und Bahn gibt. In dem Moment, in welchem in die Brücke betrete kommt, wie auf Kommando auch ein Güterzug auf dem anderen Gleis. Der Luftzug ist deutlich zu spüren und die ganze Brücke vibriert unter der Last der Waggons.
Von der Brücke runter und etwa 50 Meter westlich von der Bahn entfernt setzte ich meinen Weg durch ein Wäldchen nordwärts fort. Ein Blick auf die Uhr verrät, ich bin gut in der Zeit und werde meinem Zug problemlos erreichen. Also mache ich eine kurze Pause und der Rest meiner Getränke wird geleert. Es sind nur noch knapp 4 Kilometer verrät mir komoot. Das schaffe ich auch jeden Fall und am Bahnhof, kann ich mir notfalls Nachschub kaufen. Wenig später erreiche ich Celle an einem Gewerbegebiet. Die Dasselbrucherstraße führt mich nach Celle hinein. Gleich wieder links nordwärts komme ich in den „Celler Dschungel“ ein verwildertes Stückchen Erde, das parallel der Bahn liegt. Hier quere ich stillgelegte Bahngleise und bin auch schon auf der Neuhäuser Straße, die mich zum Bahnhof bringt.
Da ich viel zu früh für meinen gebuchten Zug dran bin, habe ich die Wahl zwischen in Celle warten oder gleich nach Hannover zu fahren. Da der Zug nach Hannover in fünf Minuten verkehrt, entscheide ich mich in Hannover auf meinem ICE zu warten. Dort ist das gastronomische Angebot im Bahnhofsbereich auch größer. Heute bin ich in knapp 2,5 Stunden reiner Gehzeit knapp 12 Kilometer Strecke mit insgesamt 60 Höhenmetern Anstieg am Zwischenziel Celle angekommen, von wo mich die Bahn wieder nach Nufringen zurückgebracht hat.