Tag 28   Enzianhütte nach Hünfeld

Ich bin früh auf. Frühstück gibt es ab sieben in Zimmer 3. In Thermoboxen ist alles bereitgestellt. Ich verputze fast alles, nehme ein Brötchen als Vesper und einen Apfel für unterwegs mit.

Gestern sah ich die Sonne über dem Milseburg untergehen. Die Milseburg war eine früheisenzeitliche Höhensiedlung. Soll ich den Umweg über den Gipfel nehmen oder daran vorbei nach Hünfeld wählen? In Gedanken schlage ich an der Enzianhütte zuerst die falsche Richtung ein. Nach 100 Metern bemerke ich meinen Fehler und kehre um. Wenn man sich nicht auf den Weg konzentriert. Es geht nun einen Waldpfad steil bergab bis zu einem Sattel der B458. Diese quere ich und erreicht wenig später die Stelle, wo ich mich nun wirklich entscheiden muss. 150 Höhenmeter hinauf zur Milseburg oder außen rum. Ich wähle den kurzen, aber steilen Waldpfad rauf zum Gipfel. Oben steht eine Kapelle, ein Kiosk und man kann unschwierig zum Gipfelkreuz über Basaltblöcke klettern. Gute Aussicht zur Wasserkuppe, die mit ihrem markanten Bauten immer gut zu erkennen ist.

Weitgehend im Wald, was bei der Hitze sehr angenehm ist, gelange ich teilweise auf der alten Bahntrasse, die nun Milseburgradweg heißt, nach Bieberstein. Das von Weitem sichtbare Schloss kann nicht besichtigt werden, ist es doch eine exklusive Privatschule. Kurz vor Hofbieber ist mein Wasser alle. Ich habe gerade die Hälfte geschafft und ich habe Durst. Ich sehe eine Eisdiele. Ein Eis wär´ nicht verkehrt und wo es Eis gibt, gibt es auch Getränke. Leider ist geschlossen, aber im Ort gibt es einen Supermarkt. Dieser bietet neben Getränken auch einen Bäcker samt Klimaanlage. Man erlaubt mir mein Kaltgetränk samt einem süßen Teilchen beim Bäcker zu genießen.

Ging es hier immer nur bergab folgt nun gutes Stück ebener Weiterweg. Die Sonne meint es zu gut mit mir. Sie prasselt erbarmungslos vom Himmel. Ich bin um jedem Baum, der Schatten spendet, froh, geht doch der Weiterweg teilweise durch Getreidefelder. Im Wald wird der Weg teilweise undeutlich. Daher wähle ich noch einmal eine falsche Abzweigung, da ich auf einen „Besseren“ einbiege statt auf dem undeutlichen Pfad, der mal dringend gemäht und freigeschnitten werden müsste, zu bleiben. Also die 200 Meter zurück. Hohes Gras und weit und tief in den Weg hinein hängende Äste sowie Brombeerbüsche, die den Weg für sich reklamieren, wollen umgangen werden. Eine durchgehende Beschilderung habe ich seit der Hochrhöner Straße ohnehin nicht mehr.

Im Wald zwischen Durmersbach und Silges entscheide ich mich doch nach Hünfeld zu gehen und es nicht in Silges gut sein zu lassen. Sind zwar 3 Kilometer mehr, aber von Hünfeld komme ich leicht nach Fulda, wo ich nächtigen will. Hier auf dem platten Land gibt es nichts.

Nach 22,5 Kilometer verlasse ich den Wald und mache eine letzte Pause. Hier reserviere ich mein heutiges Quartier. Was heutzutage alles per Internet geht? Ein Blick auf den Fahrplan. Der sagt mein Zug nach Fulda geht ziemlich genau in einer Stunde. Gut 5 Kilometer. Kann zu schaffen sein. Ich nehme es vorweg. Ist es nicht. Ich sehe den Zug noch aus dem Bahnhof gleiten, als ich in die Bahnhofstraße einbiege. Die letzten 5 Kilometer geht es in sengender Sonne leicht bergab durch Felder und die Häuser Hünfelds zum Bahnhof.

Heute habe ich in knapp 6 Stunden 28 Kilometer Strecke mit 430 Höhenmeter Anstieg die Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld zurückgelegt.

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