Tag 29   Hünfeld nach Bad Hersfeld

Ich bin früh auf. Frühstück im Hotel lasse ich ausfallen. Ich muss ohnehin zum Bahnhof. Da kann ich mir was mitnehmen. Außerdem erstehe ich noch einen halben Liter Getränke beim Bahnhofsbäcker. Es soll wieder sonnig und heiß werden. Das heutige Ziel in Haunefeld-Neukirchen, aber vielleicht geht es auch weiter, ist Neukirchen doch nur 15 Kilometer entfernt. Heute wird es eine Hitzeschlacht werden, führt doch ein Gutteil des Wegs durch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Da wird Schatten rar sein.

Ich verlasse den Bahnhof durch die Hintertür quere die B27 und folge der Haune aufwärts. Schnell gelange ich in einer guten halben Stunde nach Hünhan. Ich folge dem Radweg nach Norden und bin kurz darauf in Burghaun. Die Haune begleitet mich oder folge ich ihr? Ich könnte dem Radweg am Fluss folgen oder in den Wald zwischen Burghaun und Rothenkirchen einbiegen, was ich auch tue. Keine Beschilderung und der lokale Wanderverein sorgt nicht für gut markierte oder freigehaltene Wege- Ich wähle eine „Abkürzung“ durch den Wald. In Rothenkirchen überquere ich die Haune und gelange an einen alten Mineralbrunnen, der nach der Neutrassierung der B27 wieder errichtet wurde. In diesem sprudeln 1,5 Liter Mineralwasser pro Sekunde aus dem Erdreich. So schmeckt es auch. Hirschquelle! Für doe Mütze reicht es. Kühler Kopf, ...

Kaum gehe ich weiter bin ich überrascht. Lautes Donnern grollt durchs Tal. In bin an meine Kindheit erinnert. Die Bundesluftwaffe hat entweder Geld bekommen oder sie nimmt ihren Auftrag wieder ernst. Jedenfalls fliegt in geringer Höhe ein Tornado durchs Tal. Zuviel Geld scheint sie aber nicht zu haben, denn einen Rottenflieger kann ich nicht erkennen.

Am Ortseingang Neukirchen entfernt ein Mitarbeiter des Bauhofs ein Schild auf dem zu lesen ist: Bauplatz 7,5€ pro Quadratmeter. Ich spreche ihn an und er erklärt mir, das Schild sei alt und die Preise jetzt deutlich gestiegen. Nun sei man bei unerschlossen bei etwa 35 – 40 € pro Quadratmeter. Da kauft man doch einfach mal 100 oder 200 Quadratmeter extra, denke ich mir.

Gegen 12 Uhr bin ich am Bahnhof in Neukirchen. Ich setze mich in den Schatten, trinke erstmal was und verspeise mein Vesper. Ich entscheide mich weiter zu gehen. Auf nach Norden. Durch Felder im Wesentlichen immer zwischen Bahntrasse und B27 komme ich zügig hauneaufwärts. In Odensachsen, hier gibt es genug -sachsen, zwingt mich eine Wegsperrung einen Umweg zu machen. Dann kommt das bislang gefährlichste Stück Weg meiner ganzen Tour. Der Weiterweg ist zwar kartiert, existiert aber in Wirklichkeit nicht. Die Karte führt mich direkt in ein hohes Brombeergebüsch. Die einzig mögliche Umgehung führt weglos durch rutschigen Untergrund links in knapp 8 Metern Höhe über dem „Weg“ weiter. Ich arbeite mich langsam voran. Ab und zu halte ich mich an Ästen oder Bäumen fest bevor ich den „Weg“ wieder erreiche. Dann geht es durch eine Weide an einen Elektrozaum, der glücklicherweise Plastikgriffe zum Aushängen der stromführenden Drähte hat.  

Ich gehe durch Unterhaun und die A7 fährt über mich hinweg. Kurz vor Bad Hersfeld kommt erneut die Luftwaffe ins Spiel. Nein, kein Jagdbomber oder Aufklärer. Diesmal sehe ich zum ersten Mal einen A400M Transporter wirklich fliegen. Am Ortseingang Bad Hersfelds erreiche ich die B27 erneut und ein Schild „Aldi“ weckt mein Interesse. Ich kaufe eine Kaltgetränk und trinke es im klimatisierten Bäckercafé. Die letzten 3 Kilometer zum Bahnhof sind unaufgeregt. Baustelle, Baustelle, B27 und alles asphaltiert durch die Stadt.

Heute habe ich in knapp 6,5 Stunden Gehzeit knapp 30 Kilometer Strecke mit 300 Höhenmeter Anstieg die Kurstadt Bad Hersfeld gekommen.

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