Tag 30   Bad Hersfeld nach Bebra

Ausgiebiges Frühstück im Hotel. Gut gegessen ist halb gewandert. Heute letzter Tag des 5. Abschnitts mit nur einem kurzen Anstieg. Ich will nach Bebra, dem alten Bahnknotenpunkt und dann nach Hause.

Heute mach` ich es mir einfach. Die Haune mündet in Bad Hersfeld in die Fulda und die fließt fast genau nordwärts nach Bebra. Was liegt näher als einfach der Fulda flussaufwärts zu folgen? Genau nichts.

So raus aus dem Kurstädtchen und runter an die Fulda. Wenig später bin ich auf dem Fuldaradweg, der hervorragend beschildert, aber asphaltiert ist. Ein paar Abzweigung auf naturbelassenen Pfaden gibt es doch. Jedoch wird es eine Asphaltetappe. Mir egal, fahren die Nahverkehrszüge doch auch ohne mich ab und ich will so früh als möglich am Bahnhof sein. Spätestens um 14 Uhr.

Auf dem Radweg geht es nordwärts. Keine wirklich schöne Strecke. Radweg an der B27 entlang. In Friedlos quere ich auf einer Brücke die Fulda. Diese kleine Brücke wurde in den letzten Apriltagen 1945 noch von der Wehrmacht gesprengt um den Vormarsch der Amerikaner an dieser Stelle um fast 1 Stunde aufzuhalten. Die Fulda ist hier genau 1 Meter tief und konnte mit Panzern einfach durchfahren werden, wie eine Tafel verrät.

Nach Friedlos gibt es einen „Konfirmandenweg“. Tafeln vor Obstbäumen führen die Namen aller Konfirmanden des Ortes in jedem Jahr auf, die diesen Baum gepflanzt haben. Es gab sogar Bäume mit silberner und Einen mit goldener Konfirmation. Eine schöne Tradition der Konfirmanden, wie ich finde.

Wenig später sehe ich von Weitem eine große Steinkugel. Haben die Schweden die zurückgelassen? Nein, beim Hingehen steht auf der Tafel Sonne. Ich bin am Planetenweg der Gemeinde angelangt. Diesem folge ich und mit fällt wieder „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neuen Pläne“, wobei Pläne nicht mehr stimmt. Pluto gilt ja nicht mehr als Planet. Die Tafel wurde auch schon angepasst.

Kurz vor Meckbach kommt mir ein Radler entgegen, der sofort bremst und wissen will, wohin ich gehe. Er radle von Hamburg nach Heilbronn, erklärt er unmittelbar. Wir wünsche uns guten Weiterweg und jeder geht seines Wegs. Am Ortsausgang von Meckbach steht eine wunderbare Schutzhütte im Schatten. Blick zur Uhr. Sehr gut in der Zeit. Pause. Hemd aus und über dem Rucksack zum Trocknen gelegt, habe ich doch inzwischen gut sichtbare weiße Salzränder auf Rücken und Schultern.

Nach Bebra sind es noch 4 Kilometer also ´ne knappe Stunde. Ein Zug führt in 70 Minuten. Ich mache mich auf den restlichen Weg und erreiche den Bahnhof nach einer knappen Stunde. Leider sind 20 Minuten bis zur Abfahrt zu kurz für einen Besuch im sicher interessanten Bahnhofsmuseum, war Bebra in der Kaiserzeit und bis zur Eröffnung der Schnellfahrtrasse Hannover nach Würzburg einer der zentralen Umsteigebahnhöfe zwischen Hannover und München sowie Leipzig und dem Ruhrgebiet. Überraschend hat das das große Backsteingebäude im Krieg augenscheinlich nichts abbekommen. Vielleicht Glück gehabt.

Heute habe ich in knapp 3 Stunden Gehzeit fast 16 Kilometer Strecke mit lediglich 120 Höhenmeter Anstieg nach Bebra gewandert. Von hier bringt mich die Bahn dank Deutschlandticket kostenlos nach Hause.

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