Tag 37 Düderode nach Rhüden
Nach dem Frühstück mache ich mich auf, um fast parallel zur A7 nordwärts zu wandern.
Gleich zu Anfang wartet der erste lange, aber wenig steile Anstieg aus Düderode raus nordöstlich in den Wald. Es ist ein mir bekannte asphaltierter Feldweg durch die Felder bis an den Waldrand. Wie es so ist, man hängt seinen Gedanken nach, kennt den Weg und plötzlich ist man auf dem guten Weg ein paar Schritte zu weit, da man vorher links auf einen „normalen“ Feldweg hätte abbiegen solle. Also die 50 Meter retour. Kurz vor dem Waldrand kommt ein Stück „Weg“, das nur in der Karte erkennbar ist Es ist ein Wiesenrand, das am Waldrand entlangführt.
Wenig später komme ich im schattenspenden Wald zur „Thomaslinde“. Kurz danach empfängt mich ein toller Rastplatz, der geschnitzte Sitzbänke bietet. Ich trinke was, bleibe im Schatten sitzen, wird es doch schon wieder ordentlich warm, und lausche den Vögeln. Zum Glück ist der Anstieg geschafft. Ich könnte ewig hier im Schatten sitzen, aber dann kommt man nicht zum Ziel.
Feld- und Wiesenwege bringen mich abwärts gehend, ich verliere den Weg, kann aber ab dem Waldrand schon das Zwischenziel Kirchberg sehen nach Kirchberg. Ich durchwandere Kirchberg und komme an den Sportplatz, wo ich auf Bänken erneut eine Pause mache. Gefühlt trinke gut jede halbe Stunde einen viertel Liter Wasser. Zwischen Kirchberg und der B243 geht es an einem Bach vorbei durch ein herrliches kleines baumbestandenes Tal. Die Bundesstraße ist schnell unterquert und ich folge der einsamen Landstraße Richtung A7. Ich verlasse die Landstraße und mache mich auf einen Schotterweg nach Seesen auf, wo ich Mittagspause machen will.
Komoot führt mich eine Landstraße entlang, die ich aber bei der ersten Möglichkeit nach links verlasse. Ist zwar ein kleiner Umweg, aber auf Feldwegen geht es sich besser. Die Sonne brennt allerdings unbarmherzig vom Himmel. Endlich, die Innenstadt kommt näher. Ich spaziere durch die Innenstadt und lasse es mir zu Mittag bei Kuchen und Kaltgetränk gut gehen. Wenig später passiere ich die alte Burg Sehusa, nicke auch einen bronzenen Wilhelm Busch zu, der in Seesen gewohnt hat, und gehe durch den schönen Stadtpark.
Nun ist es nicht mehr weit. Vielleicht nur 5 oder 6 Kilometer zu meinem Tagesziel. Ein kurzer Anstieg durch die Felder und man kann voraus Bornhagen und das Nettetal schon sehen sowie die A7 beinahe in der Ferne rauschen hören. Östlich sieht man die westlichen Ausläufer des Harzes. In Bornhagen bin ich über die Höhe der Hochwassermarken der Nette, die hier 10-jährige Kinder überspringen, überrascht. Wenig später, ich habe in Bornhagen meine letzte Wasserflasche geleert, unterquere die A7 auf einem glatt asphaltierten Weg, und erreiche direkt an der Nette einen Wiesenweg, der mich nordwestwärts führt. Er endet an einen gemeinsamen Rad- und Fußweg. Der verläuft sehr eben. Das muss die alte Trasse der Nettebahn sein.
Mein Telefon piepst. Es ist eine Nachricht meiner Unterkunft. Sie ist jetzt fertig und ich bekomme einen 4-stelligen Code mit dem ich den Schlüsselkasten mit dem Haus- und Zimmerschlüssel öffnen kann. Mal sehen, ob das klappt, da ich keine Ziffern lesen kann. Wird schon, denke ich mir. 25 Minuten später erreiche ich Rhüden am Harz wie mir das Ortsschild verrät. Mein Handy leitet mich zum Hotel. Auf dem Weg durch den Ort sehe ich ein offenes Gasthaus. Abendessen ist gesichert.
Gepäck auf einer Bank vor dem Hotel ab und mein Handy „durchsucht“. Tatsächlich finde ich Zimmer 4 und 4208 für die Schlüsselkasten. Wo ist dieser mit der Nummer 4? Dort drüben. Alles funktioniert wie beschrieben und eine halbe Stunde später bin ich abgekühlt, geduscht wohlriechend auf dem Rundgang durch das Dorf. Es gibt kein zweites Gasthaus, also rein in das auf dem Herweg Gefundene.
Heute bin ich nach knapp 5 Stunden reiner Gehzeit und fast 23 Kilometern Strecke mit nur noch 340 Höhenmetern Anstieg in Rhüden, westlich des Harzes, angekommen. Die Anstiege werden flacher und immer geringer. Die Rübensteppe naht nun merklich.