Tag 38   Rhüden nach Bad Salzdetfurth

Ohne Frühstück mache ich mich auf um nordwestwärts zu wandern. Kaum habe ich in Rhüden die Nette überquert, als mir ein Bäckerschild ins Auge springt. Frühstück! Cappuccino, ein Käsebrötchen und eine Zimtschnecke, schließlich sind wir hier gefühlt schon in Südschweden, müssen sein. Immerhin gibt es heute zwei Anstiege, wobei einer steil zu sein scheint, hinter sich zu bringen.

Am Ortsausgang erwartet mich eine alte Bergwerkslohre, hat Rhüden doch seine wirtschaftliche Existenz neben der Landwirtschaft vor allem dem Kalibergbau zu verdanken. Dieser wurde Mitte der 60er Jahre als unrentabel eingestellt. Ich folge der Straße, die in einen geteerten Feldweg übergeht den Hügel hinauf bis zu einem mächtigen Baum. Hier geht es links und bald darauf komme ich an den alten Kalibergschächten sowie Resten der Verarbeitungsstellen am Waldrand vorbei.

Es geht an einer Aussichtsbank in den Wald hinein. Ich folge einem unbefestigten Weg immer nach Nordwesten. Kurz vor dem Waldrand wird es kurz, vielleicht nur 30 Meter mächtig steil. Als ich den Wald endgültig hinter mir lasse, sehe ich schon Wohlenhausen vor mir. Den Ort gilt es zu durchqueren. Das geht fix, ist er doch nicht allzu groß.

Ich sammle an der Straße ein paar Äpfel auf und stecke sie mir in die Tasche. Wenig später bin ich wieder im Wald. Ich hänge meinen Gedanken nach, frage mich, wie der Kronprinz, das einzige Hotel in Bad Salzdetfurth, das auf meine Anrufe heute Morgen reagiert hat, wohl ist und ob ich unterwegs was zu Essen – außer natürlich Brombeeren und Äpfel - auftreiben kann. Was einem halt so im Kopf rumgeht, wenn man außer Navigation den lieben langen Tag nichts Weltbewegendes zu bedanken hat. Da passiert es schon wieder. Meine Gedanken sind so abgeschweift, dass ich die kaum merkliche Abzweigung nach links übersehe. Zum Glück überkommen mich menschliche Bedürfnisse und ich schaue beim Weitergehen auf das Display, das mir entweder 3 Kilometer Umweg oder die Umkehr rät. Umkehr, aber nicht bis zur Stelle der Abzweigung. Ich versuche mir Glück 100 Meter bergauf durch den Wald und erreiche wohlbehalten den ursprünglichen Weg.

Die Äpfel sind leider meistens wurmstichig, so dass ich sie am Waldrand vergrabe. Vielleicht wachsen sie ja an. Aus dem Wald geht es wenig steil bergab und bald erreicht ich Groß Ilde, wo eine gelbe Liegebank zur Rast einlädt. Ich lasse sie aber achtlos links liegen. Der Weiterweg führt auf Wirtschaftswegen und schmale Wanderpfaden sowie über eine Landstraße in einem Wald. Hier geht es steil bergauf. Mitten auf einem Waldweg liegt ein Holzverhau aus durch den Wind von Bäumen geworfenen Ästen. Ich steige nicht sehr behände darüber hinweg. Noch immer geht es aufwärts. Schließlich erreiche ich „Saubergs Höhenweg“. Ist ein kleiner Umweg, aber bei dem Namen Höhenweg. Fünfzehn Minuten bin ich auf dem Abstieg runter nach Bad Salzdetfurth.

Den Ort habe ich mir auch anders vorgestellt. Irgendwie kurbadmäßiger. Es gibt zwar ein Kurbad,- eine Kurapotheke und ein Kurheilbad und einen Kurpark samt Gradierwerk. Seine Blüthe erlebte Salzdetfurth aber in den Jahren, als noch in zwei Minen Kali abgebaut wurde. Erst als die Bergwerke schlossen, besann man sich auf das Salz, das seit jeher das wirtschaftliche Lebenselixier des Ortes war. Erst als die Bergwerke schlossen, hat man auf Kur ugestellt.

Ich unternehme einen Spaziergang durch`s Städtchen. Zuerst zum Gradierwerk meine Lungen der Salzluft aussetzen. Soll doch so gesund sein. Hunger meldet sich, also Einkehr und Abendessen. Am lokalen Bergwerkmuseum vorbei komme ich zurück in die Innenstadt.  Später am Bahnhof vorbei und beim „Iren“, es gibt Guinness, aber ich entscheide mich gesundheitshalber für einen Russ´n. Eine Zweiten gibt es nicht mehr und ich gehe durch die Innenstadt mit ihren vielen leeren Geschäften am Hotel Kaiser vorbei zum Kronprinzen. Hier war alles hochherrschaftlich.

Heute bin ich in gut 5 Stunden reiner Gehzeit und fast 26 Kilometern Strecke mit doch noch 550 Höhenmetern Anstieg in Bad Salzdetfurth angekommen. Der Nordwestschlag bringt noch eine Hügelkette vor der endlosen norddeutschen Tiefebene. Morgen gibt es noch den Anstieg aus Salzdetfurth hinaus und dann hat vereinnahmt mich endgültig die Tiefebene mit seinen Flachetappen durch ausgedehnte landwirtschaftliche Flächen.

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