Tag 39   Bad Salzdetfurth nach Hildesheim

Nach ausgiebigem Frühstück, heute gilt es nur eine Steigung zu erklimmen, mache ich mich auf zum Bahnhof, um dort die Schienen zu überqueren. Ich will ja nur nach Hildesheim. Eine relativ kurze Etappe, ohne viel Steigungen. Dort werde ich sicher auch Quartier finden, war ich doch schon mal in Hildesheim und weiß, es gibt dort ein mannigfaltiges Angebot.

Kleiner unnötige Schwenk auf die falsche Bachseite. Glücklicherweise ist der Bach klein und der Hang steil, so dass aus der Klinge schnell ein Übergang über den winzigen Wasserlauf wird. Der Weg führt auf schmalen Waldpfaden immer weiter nach Nordwesten. Wenig später geht es bergan und ich komme an einen Grillplatz mit Schutzhüte, die etwas versteckt im Wald liegt. Eine schöner Pausenplatz, aber ich lasse ihn links liegen und steige erneut kurz, aber steil bergan. Ich komme an einer Weggabelung von der 6 Wege abzugehen schienen. Komoot schickt mich fast geradeaus auf den unscheinbarsten. Hildesheim ist schon ausgeschildert. Ich marschiere auf dem Tosmer Höhenweg, der ab Ausblicke auf Hildesheim bildet. Wenig später erreiche ich die „Bank für alternde Helden“. Was ist los? Ich überlege kurz, ob ich ein Selfie auf der Bank machen soll, entscheide mich aber dagegen. Kurz darauf erreiche ich der Stelle des 1940 eingestürzten Turm des Hildesheimer Harzklubs ein Gipfelkreuz, das auf dessen Fundamenten steht.

Wenig später mache ich auf einem umgestürzten Baum dann doch Pause. Langsam habe ich Hunger. Ein Blick auf die Karte verrät, dass wenn ich aus dem Wald rauskomme, ich Diekholzen erreiche. Da gibt es bestimmt einen Bäcker, der gegen Entgelt Essen feilbietet. Tatsächlich, kaum den Hügel runter wartet schone in Bäckerei auf mich. Ein Teilchen und ein Kaltgetränk geordert und mich unter einem Sonnenschirm niedergelassen. Plötzlich hält die Feuerwehr 20 Meter entfernt. Sie beeilen sich ihr Fahrzeug zu verlassen und reißen die Türen des Aufbaus auf. Sollte ich eine Übung erleben. Leider holen sie nur das Gerät zum Öffnen der Hydranten sowie einen Schlauch raus. Keine große Übung. Nur Wasser verspritzen. Der Waldrand ist sicher ziemlich trocken.

Ab hier habe ich die Tiefebene erreicht Bis Hildesheim geht es flach dahin. Wie auf Kommando komme ich auch schon durch die ersten namensgebenden Zuckerrübenfelder. Kurz vor Marienrode komme ich an einer alten Windmühle vorbei, aus der ein Café geworden ist. Wenige Meter weiter steht das Namengebende Kloster, das noch immer von Schwesternbewohnt wird. An deren neuangelegte Freidhof, stehen wenige Kreuze brav in Reih und gleich. Alle sehen gleich aus. Was mich anfänglich wundert ist, dass nicht nur Geburts- und Sterbedatum vermerkt sind, sondern ein Drittes oder bei einem sogar ein Viertes. Das Dritte steht bei den Nonnen für das Tag das Ablegen des Gelübtes und das Vierte bei einem Priester für Weihe als Priester. Alles sind alt geworden. Ob die klösterliche Abgeschiedenheit ein langes Leben fördert?

Ich komme am Dom mit dem Modell Hildesheims im Mittelalter vorbei. Den 1000-jährige Rosenstock gibt es noch. Rainald von Dassel, der berühmteste Kanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen sowie Erzbischof von Köln und ehemals Domprobst am Hildesheimer Doms, steht noch immer an der Nordseits des Doms. Die Westfassade des Doms ist immer noch beeindruckend. Teil des Hildesheimer Weltkulturerbes eben. Ich gehe in die Innerstadt und sehe mir die imposanten Fachwerkhäuser am Marktplatz an.

Nicht mal bei booking.com gibt es preiswerte Quartiere. Die JuHe hat seit geraumer Zeit geschlossen und alle Hotels verlangen „Messepreise“. Kann doch nicht sein?  Ich gehe zum Bahnhof. Vielleicht sollte ich nach Hannover fahren? Als ich am Bahnhof sitze, sehe ich auch weshalb alles so teuer ist. Dort ist Gestaltenfasching. Eine vielleicht 30 Meter lange Schlange wartet um 15 Uhr auf einen Bus in Richtung Flugplatz. Ich frag´ einen Passanten, was da los ist. Er erklärt, dieses Wochenende sei Mer´a Luna 2026. Was das sei, will ich wissen? Ich erfahre, dies sei eines der größte Gothic-Music-Festivals mit ca. 30.000 Besuchern, die aus ganz Europa kämen. Alles klar. Keine Messe- sondern Festivalpreise.

Ich entscheide mich mit dem Bus, da die Bahnlinie gerade instandgesetzt wird, nach Sehnde, meinem morgigen Ziel, voraus zu fahren und morgen mit dem Bus wieder nach Hildesheim zurück zu kommen. Dort gibt es Quartier zu annehmbaren Preisen für dann 2 Tage und ich kann morgen mit wenig Gepäck wandern.

Heute bin ich in gut 4 Stunden reiner Gehzeit bei gut 19 Kilometern Strecke mit noch 420 Höhenmetern Anstieg in Hildesheim angekommen.

 

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