Tag 52 – Holm-Seppensen nach Rade bei Buchholz
Nach einem ausgiebigen Frühstück spaziere ich gemütlich zum Bahnhof in Schneverdingen. Der Zug aus Bremen hat Verspätung. Egal. Gegen halb elf steige ich in Holm-Seppensen aus. Ich habe eine Unterkunft in Rade nordwestlich von Buchholz gebucht. Mein ICE fährt übermorgen ab 17 Uhr in Harburg ab.
Die Anfangsetappe von Hamburg-Fischbek nach Buchholz ist mit 26,5 Kilometern und 6,5 Stunden Gehzeit angegeben. Gut, bei meinem Tempo vielleicht gut fünf Stunden. Aber rechnet man die 1,5 Kilometer vom Bahnhof in Fischbek und die 20-minütige Fahrzeit der S-Bahn von Fischbek nach Harburg samt Umsteigen und dem möglichen Verpassen der S-Bahn mit 15 Minuten hinzu, bin ich froh, den Weg verkürzen zu können. Also gut sechs Stunden unterwegs.
Man kommt auf dem Heidschnuckenweg zwar durch Heideflächen, aber davon habe ich die letzten Tage genug gesehen. Dazu ist die Wettervorhersage für morgen ab 10 Uhr vormittags mit Regen bis 13 Uhr und ab 15 Uhr wieder eher kritisch. Obwohl, bislang habe ich ja Glück gehabt. Ich bin nie wirklich nass geworden. Ich will die letzte Etappe so kurz wie möglich halten. Aber den Karlstein will ich unbedingt sehen.
Der Weg führt mich nordwärts über den Bahnübergang und an der Bahnlinie entlang in Richtung Ortsteil Seppensen. Der Weg besteht nach Verlassen des Ortes aus einer sandigen Pfadspur. Ich erinnere mich noch, dass ich, um nach Seppensen zu kommen, wieder die Bahn queren muss. Am ersten Übergang zögere ich kurz. Ein Blick aufs Handy hilft. Hier noch nicht. Also noch 400 Meter weiter und dann über die Bahn und ab nach Seppensen. Ich fotografiere das Ortsschild. Gefällt mir der Name doch so.
Durch Seppensen durch, und dann ist Buchholz in der Nordheide nicht mehr weit. Die Wolken werden dunkler, und als ich die Überführung über die Bahn am Bahnhof in Buchholz erreiche, fängt es tatsächlich an zu regnen. Zum Glück nur leicht, und so setze ich unbeirrt meinen Weg durch Buchholz fort.
Buchholz’ Innenstadt ist nicht unbedingt einen Besuch wert, so mache ich mich weiter durch den Stadtpark, der praktischerweise unmittelbar an den Friedhof, die Schützenhalle und das Krankenhaus angrenzt, auf den Weg nach Nordwesten. Glücklicherweise hört am Schützenhaus der Regen auch wieder auf.
Im Stadtpark und dem anschließenden kleinen Waldstück werden die Wege zahlreich und unübersichtlich. Ich finde das Heidschnuckenweg-„H“ wieder, muss aber höllisch aufpassen, bei der Vielzahl von Abzweigungen nicht die richtige zu verpassen. Eine kleine Holzbrücke über einen Bach wird überquert. Und wenig später bin ich aus Buchholz und seinem Stadtpark raus.
Es schließt sich eine Kleingartenanlage an, und bald darauf muss ich die B75 in einem Wohngebiet überqueren. Immer grob Richtung Norden, durch Felder, Heidestücke und kleinere Waldstücke, meist auf unbefestigten Wegen, geht es weiter.
Vor der Unterquerung der A1 „verlaufe“ ich mich. Ich folge dem Schild zu einer Aussichtsbank nach rechts. Die Bank finde ich zwar, aber die Aussicht ist irgendwie abhandengekommen. Hat sich nicht gelohnt, der Umweg.
Ich biege erneut scharf links ab und komme so wenig später wieder zum weißen „H“. Wieder rechts, und ich bin auf dem richtigen Weg. Einen knappen Kilometer trennt sich mein Weiterweg vom Heidschnuckenweg. Der führt nach Nordosten, während ich nach Rade nach Nordwesten abbiege. Auf unbefestigten Waldwegen erreiche ich die B3, und 500 Meter weiter taucht auch schon mein kleines Hotel auf, das mir für heute Obdach gewährt.
Rade selbst ist keinen Besuch wert. Ein paar Häuser und Bauernhöfe an der B3. Ein typisches Straßendorf eben, ist mein erster Eindruck. Aber mein Zimmer ist hinten raus, das Zimmer ordentlich und die Küche gut.
Nach einer Dusche – es ist noch zu früh für Abendessen – mache ich mich auf, das Dorf zu erkunden. Meine Erkundung ist schnell zu Ende, denn es setzt leichter Regen ein, und nass will ich nicht werden.
Heute bin ich in knapp dreieinhalb Stunden reiner Gehzeit und knapp 18 Kilometern Strecke mit insgesamt 100 Höhenmetern Anstieg samt Gipfelerfolg dem Zwischenziel Hamburg wieder nähergekommen. Morgen bin ich in Hamburg und sitze um diese Zeit im ICE, fällt mir beim Abendessen ein.